08 Oktober 2006

Der Sache Auf Den Zahn Fühlen

Bin ich meiner körperlichen Präsenz doch sonst eher positiv gegenüber eingestellt und halte mich für einen der wenigen Menschen die mit ihrer weltlichen Erscheinung sehr gut zurecht kommen, so muss ich doch sagen: Das war ein verdammt häßlicher Zahn! Besser: zwei häßliche Zähne. Weisheitszähne nennen sie sich und irgendwie war das wohl auch der Wink. Wahre Weise, die sich nicht genieren das Klischee zu bedienen, sind alte, krumme und wenig attraktive Säcke. Ob ich jetzt wohl an Weisheit verloren habe? Oder nur an Gewicht? Gerate ich nun in eine Schieflage da meine intraoralen Gewichtsverhältnisse leicht nach links tendieren? Werde mir ein Drahtseil zulegen um das zu testen.

Neben den vollkommen irrationalen Schmerzen, die nie dort auftraten wo sie zu erwarten waren, war die wohl interessanteste Erfahrung an diesem Wochenende der vollkommen legale Drogentrip. Höllentrip wohl eher. Dass ich in meiner Notunterkunft (Wandschrank) die letzten zwei Tage alleine war gereicht meinem aktuellen Retter durchaus nicht zum Schaden. Soweit ich mich erinnern kann habe ich gewisse Dämonen angebellt sie sollen mich endlich in Ruhe lassen, danach habe ich geweint wie ein kleines Kind und kam mir dabei nicht nur dämlich sondern auch sehr theatralisch vor - geholfen hats trotzdem. Danach konnte ich nämlich schlafen, allerdings auch nicht ganz ungestört, denn zwei weise alte Männer unterhielten sich über mich und waren sich relativ uneins ob ich, der in diesem Gespräch wohl als Adept Marke Das-Kann-Doch-Nicht-Der-Auserwählte-Sein betrachtet wurde, über gewisse Fähigkeiten verfüge oder nicht. Scheinbar hab ich den Test bestanden, denn danach war Ruhe.

Da ich den Umstand berücksichtigen muss, dass nicht alle Menschen eine Ekelresistenz meines Kalibers aufweisen erspare ich mir, oder vielmehr euch, diverse Beschreibungen der Prozedur, wie die Wunden danach aussahen und was für witzige Formen Blut auf der Straße annehmen kann. Stattdessen nochmal was über Drogen. Waren es am Wochenende nur ein verschriebenes Breitbandantibiotikum und dazu ein eigenes, seit zwei Monaten abgelaufenes Analgetikum, die in dieser Kombination für Stimmung sorgten, so war die direkte Medikation während der OP um einiges krasser. Einmal falsch angewiesen - Schlucken? - und schon wars falsch und das Urvieh bekam die doppelte Dosis. Mein Erinnerungsvermögen leidet ein wenig darunter und ich bin mir nichtmehr sicher wieviel Geld ich anschließend für was auch immer Behandlungsrelevantes oder -irelavantes ausgegeben habe. Oder woher ich das Schokoladeneis bekommen habe. Jedenfalls war die OP sehr unterhaltsam. Ob nun meine Zunge angesaugt werden musste, weil sie großen Spaß daran hatte beim Spritzen im Weg herumzueiern, oder klein Manni während der OP das Summen angefangen hat weil ihm langweilig wurde. Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass ich die ganze Zeit über meine Hose anbehalten habe. Ziemlich. Sicher.

Ein weiterer irreführender Aspekt ist das temporäre Rauchverbot. Von diversen Horrorstories eingeschüchtert hab ichs die ersten zwei Tage auch brav gelassen, hatte ohnehin genug zu tun und kaum noch Tabak und so kam eins zum anderen und das einzige was geraucht hat war mein Kopf. Das bischen Tabak das ich seit dem geraucht habe reicht geradeeinmal für eine konventionelle Filterzigarette, hat aber wohl dank Entzug und Medikation ungefähr den Effekt einer mentalen Mittelstreckenrakete. Schonmal Geld gespart.

*umfall*

/P.S.:

Tut mir Leid, dass sich alles und aber auch alles irgendwie verzögert, doch momentan liege nicht nur ich kreativ flach, sondern auch meine Art-Directorin im Bett (aber nicht mit mir sondern mit Grippe) und daher dauert es noch etwas bis das neue Urvieh verwertbar wird. Ich muss mich derweil um die Belange des Wohnens, Arbeitens und sonstige weltliche Pflichten kümmern. Unter andem muss ich diese verdammten Fäden loswerden. Die schmecken einfach nicht! Wenigstens ist das Bäckchen weg. Braves Immunsystem.
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