24 August 2006

Und der Oskar geht an...

Oskar ist groß. So groß wie Persönlichkeiten sein können, derren Höhe kaum die einer Bacardiflasche übersteigt, die aber weit mehr Innenleben offenbaren.
Oskar ist sowohl ego- als auch exzentrisch, immer hungrig, notorisch gelangweilt, faul und nicht ganz normal. Oskar ist eine Sie. Die WG-Katze, die hier schon länger wohnt als alle anderen Mieter im Haus und wohl ein Bild wert, welches ich mangels Equipment wohl nur nachreichen kann. Oskar sieht aus wie Garfield. Original!

Oskar hat viele interessante Angewohnheiten. Sie schläft gerne, hat immer Hunger und versteht es lautstark daraufhinzuweisen. Gibts mal wider Erwarten (weil alle vergessen haben es zu kaufen) kein Futter, so beißt sie einen auch gerne mal in den Zeh um dezent anzudeuten, dass sie ja irgendetwas kauen muss. Sie erklettert auch mal gerne steile Holzleitern um auf meinem zum Speicher umfunktionierten Hochbett herumzukraxeln um anschließend wie die sprichwörtliche Katze im Baum Mitleiderweckende Laute von sich zu geben. Herunterheben ist definitiv etwas für Masochisten. Nachdem sie genug gejammert hat steigt sie ohnehin von selbst, wie eine übergewichtige Schlange, die enge und steile Leiter wieder hinunter. Unten angekommen wird sich laut darüber beklagt, dass es keinen Fahrstuhl für Katzen gibt (Spekulation). Aber auch sonst gibt sie sich gerne harmlos und hilfsbedürftig, egal, ob ihr der Sinn nach Unterhaltung, Streicheleinheiten oder Aufmerksamkeit geht.

Oskar ist sehr friedlich, wenn sie einmal einen Platz gefunden hat, den sie durch ausdauernden Milchtritt exakt in die von ihr gewünschte Form bringt. Selbst schlafend ist Oskar sehr unterhaltsam, denn sie egal ob sie auf dem Rücken liegt als sei ihr just beim Männchen-machen eingefallen, dass sie ja schlafen wollte, sich zusammenrollt und dabei eine Pfote über die Augen legt oder einfach nur majestätisch in die Breite wächst. Entgegen den meisten Mitmenschen liebt sie Dinge, die nach mir riechen. Z.b. eine grüne Filzdecke, welche inzwischen adrett zu einer Schmuseecke umfunktioniert wurde. Oder meine Handtücher, wenn ich sie unvorsichtigerweise zum trocknen über dem Bett oder der Couch ausgebreitet habe.

Wehe dem, der Oskar im Weg steht wenn ihr langweilig ist. Offene Wasserflaschen werden mit gezielten Schlägen niedergeworfen und der Stapel Papier im Aufnahmeschacht meines Druckers wird beinahe täglich vertrimmt. Papier is zum glück geduldig. Ebenso meine Matratze, welche Oskar gerne mal wie ein Alien im Film dazu auserkoren hat, statt dem Boden, als Fortbewegungsgrundlage zu dienen - sprich, sie hangelt sich an der Bettkante entlang. Dann ja nicht an Oskar ziehen, sonst wars das für den kostbaren Bezug. Alles was offensichtlich als Spielzeug dient wird geflißentlich ignoriert und dafür lieber eine unsichtbare Maus gejagt. Auch sollte man es vermeiden mit der Hand einen Vorhang in sanfte Schwingung zu versetzen, solang Oskar dahinter lauert, das gibt Kratzer.

Und wehe dem, der seinen Bürostuhl, wohlgemerkt der einzige Stuhl im Raum, einmal unbewacht zurücklässt. Oskar ergreift eine Gelegenheit, wenn sie sich bietet. Und sie rückt meine Stuhl dann auch nicht wieder heraus, sondern legt sich, mit einem zufriedenen und friedlichen Lächeln in ihrem runden Gesicht, genau so hin, dass die einzige Möglichkeit unter sie zu greifen, um sie hochzuheben, direkt an ihren Rasiermessern vorbeiführt. Aber man will sie auch garnichtmehr vom Stuhl entfernen, wenn man einmal erlebt hat, was Oskar sehr gerne tut wenn sie in Schmuselaune ist: Pfötchen halten. Kommt man also einer schmusefreudigen, liegenden Oskar zunahe, so landet mit einem leisen Patsch ein warmes, weiches Pfötchen auf dem dargebotenen Körperteil und der selige Gesichtsausdruck macht es unmöglich ihr irgendetwas übel zu nehmen. Den Krampf z.B., der sich für den restlichen Körper ergeben hat, den dies unvorbereitet in einer sehr ungünstigen Position traf, als Oskar einmal mit beiden Pfoten und dem Kopf auf meiner Hand eingeschlafen ist.

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