02 November 2006

Gegen Dummheit...

... ist wohl kein Kraut gewachsen. Selbst wenn jemals eines wachsen sollte, so würde es im selben Moment von einer wahren Meute Menschen, auf dem Weg zur nächsten Dummheit, zertrammpelt.

Doch ich greife vor. Was bedeutet Dummheit überhaupt? Es muss wohl mehr sein als die Abwesenheit der Fähigkeit zur Abstraktion, welche allgemein als Intelligenz definiert und bekannt ist, denn die Zahl Menschen die sich Dummheit unterstellen lässt ohne sich beleidigt zu fühlen bewegt sich im mikroskopischen Bereich. Dabei sollte es ein Kompliment sondergleichen sein, sprach doch schon Jesus den geistig armen das Himmelreich zu. Nein, das tat er natürlich nicht, doch ich wette etwas derartiges ging ihm durch den Kopf als er vor einer Meute geifernder Idioten an die Bretter genagelt wurde. Für sie muss es trotz der Tatsache, dass sie sich mehrheitlich einer damals populären Religion zugehörig fühlten, ein Heidenspaß gewesen sein. Der Unterhaltungswert von Gewalt, Schmerzen und Blut ist bis heute ungebrochen. Doch wer Augen hat zu sehen, der stellt sehr schnell fest, dass es nicht die schwindende Schicht der Intellektuellen ist, die derartige Unterhaltung präferriert. Vielmehr ist dies nach wie vor die primäre Unterhaltung für Menschen denen es an Verstand mangelt um zu erkennen, dass sie sich an Dingen ergötzen die sie niemals mit sich selbst veranstaltet wissen wollen. Manch einer mag sich nun auf den Schlips getreten fühlen und das auch zu Recht. Nicht, dass wir nicht alle hin und wieder unsere Unterhaltung aus niederen Teilen unserer Persönlichkeit ziehen würden, doch unterscheidet sich hier ein intelligenter Mensch von einem dummen Menschen zumindest insofern, als dass er sich dieser Tatsache schämt. Ja, ich verwende in diesem Fall den Begriff Intelligenz weitestgehend gleichbedeutend mit dem Begriff der Reife, welche sich nicht bedingen. Nicht direkt zumindest. Es ist selbst einem ungebildeten und mental wenig gesegneten Menschen möglich sehr reif zu sein doch stellt die Intelligenz eine immanente Forderung nach Reife dar. Wer fähig ist zu denken, zu überdenken und zu reflektieren, der sieht sich dem weniger geistig bemittelten insofern im Vorteil und muss aktiv gegensteuern um mit derselben Gedankenlosigkeit Dummes und Unreifes zu denken und zu tun.

Kann man also Menschen ohne intelligenzbegünstigende Disposition nicht weiter vorwerfen es nicht besser zu wissen, so stellt dies bei einem intelligenten Menschen weitestgehend ein Verbrechen dar. Warum also ist es eine der persönlichsten Beleidigungen dumm genannt zu werden? Effektiv ist es doch ein Freifahrtschein. Wer dumm ist, der weiß es nicht besser und darum kann man ihm daraus keinen Strick drehen. Wieso also bestehen beinahe alle Menschen darauf intelligent oder zumindest nicht dumm zu sein? Wieso laden sie freiwillig die Schuld für ihre Dummheiten auf sich nur um dem Prädikat zu entgehen? Zumal zurecht als dumm bezeichnete Menschen wenig Talent darin beweisen sich diesem Vorwurf zu entziehen. Als Antwort wählen sie in vielen Fällen schlichtweg die älteste Form der Argumentation, ihre Fäuste oder den nächsten greifbaren stumpfen Gegenstand, oder versuchen sich vergebens und in einem jeglicher Logik trotzden rheotorischen Ausfall. Gut, verlieren können sie ohnehin nicht, denn dafür fehlt es ihnen schlichtweg an der Intelligenz zu merken, dass sie geschlagen wurden.

Ist dies vielleicht der wahre Grund wieso die Dummheit niemals ausstirbt? Ist sie widerstandsfähiger als die Intelligenz? Weigert sie sich, statt zu überleben, einfach trotzig zu sterben? Sollte Darwin unrecht haben und es überlebt nicht der besser Angepasste, sondern der schlichtweg Uneinsichtige? Sollte die Intelligenz im offenen Kampf weiterhin der Dummeheit unterliegen wie ein Elektromagnetischer Puls einer Keule?

Ich jedenfalls plädiere dafür einen Feiertag den Dummen dieser Welt zu widmen, denn sie alle sollten zumindest einmal im Jahr dem Umstand danken, dass ihr Überleben in den seltensten Fällen von ihren geistigen Fähigkeiten abhängt.

*gefrustetesGesichtaufsetz*
*gautsch*

01 November 2006

...Let It Linger

Winter lässt sein kaltes Band wieder pfeiffen um die Hälse, die Tage werden kürzer und die Röcke länger. Während sich durch die Zeitumstellung eine melancholische Komponente in den Alltag, den Menschen wie der berüchtigte Autor dieses zynischen Machwerks nicht haben, einschleicht scheint auch die Zeit durch den früheren Sonnenuntergang konsequenter dem Ende entgegen zu sehnen. Der erwähnte Autor fühlt sich an dieser Stelle wie ein geistig verwirrtes Maiglöckchen da er seinen Kopf nicht im Frühling sondern im beginnenden und in Europa dank Überflutung in Portugal - da verleugne noch einer die Chaostheorie - sehr milden Winter aus dem Loch streckt in das er sich verkrochen hatte. Mögen Isolation und Sinneserweiterung auch manchmal ein akzeptables Surrogat für eine vollblütige Muse sein, so sind sie doch erschöpflich und auf Dauer sehr repetiv in ihrer weltfremden, morbiden Art. Nicht, dass die Welt oberhalb der Grasnarbe ihr hinsichtlich Morbidität in geringster Weise nachstehen würde. Nicht auf diesem Planeten und schon garnicht in einer Stadt in der es mehr Studenten als Parkplätze gibt, Kinder zurecht dazu erzogen werden auf dem Fahrradweg vorsichtiger zu sein als auf der Hauptstraße (da bei Autos eher von funktionierenden Bremsen ausgegangen werden kann) und die Wohnraumsituation selbst Anno 1945 nicht schlechter und gleichzeitig gestern in New York nicht teurer gewesen sein kann.

Ist man von Studenten eine gewisses Maß unkonventioneller Eigenarten durchaus gewohnt, so sind hier die Einheimischen immer wieder bemüht den Vorsprung nicht zu groß werden zu lassen. Sei es der ältere Herr, auf dem Weg zum Lungenarzt, der einen am Bahnhof um eine Zigarette anschnorrt und sogar bereit ist 20 Cent für ein selbst fabriziertes Exemplar zu bezahlen, der einem von den einer kapitalistischen Verschwörung erzählt die unter anderem an der Misere des deutschen Ostens Schuld hat, derren Drahtzieher er aber nicht benennen wollte, ja sogar meinte er habe schon zuviel gesagt - denn einmal saß er wegen den Menschen über die man nicht spricht bereits in der geschloßenen Psychatrie. Oder aber eine ältere Dame, die einem mittels Gestik und Mimik etwas begreiflich machen will, jedoch abwinkt und meint es sei nichts, nachdem man endlich die Kopfhörer aus den Ohren gezerrt hat, und einen mit dem seltsamen Gefühl zurücklässt sich gerade in einen Hundehaufen gesetzt zu haben. Ebenfalls um Anschluß - in Sachen Unzurechnungsfähigkeit - bemüht sind die öffentlichen Verkehrsmittel. In diesem Zusammenhang großer Beliebtheit erfreuen sich "Wo-hält-der-Zug-wohl-diesmal"-Lotto und die Schnitzeljagd auf nicht ausgeschriebene Busse.

Halten wir uns also an die Studenten. Man sollte meinen soviele junge und ambitionierte Köpfe sollten ein Umfeld voller Kreativität und Innovation schaffen, doch das einzige was man davon merkt ist eine spürbare Kunfusion die sich unter anderem in den Straßen ausdrückt, auf denen die Menschen selbst auf der Flucht nicht chaotischer Unterwegs sein könnten. Seinen Höhepunkt findet dieses Verhalten auf den Bahnsteigen und anderen Engpässen an denen sich die Bewegungssynphonie zu einer scheinbar chaotischen aber defakto hochintelligenten Massenbewegung verbindet welche nur ein Ziel zu haben scheint: Den Autor nicht auf normale Reisegeschwindigkeit beschleunigen zu lassen. Die Anpassung erfolgt schrittweise und in Folge dessen neigt erwähnter Schreibsklave inzwischen dazu planlos hin und her zu laufen oder einfach mitten auf der Straße stehen zu bleiben und über das Ganze an sich nachzudenken.

Momentan ist das Ganze eher eine raue Sache. Niemand scheint mit dem Sonderling zusammenwohnen zu wollen, selbst nach seiner finanziellen Rehabilitation, und so wendet selbst diese Leiderprobte Heide sein Angesicht gen Himmel und bittet um Hilfe. Die vorläufige Antwort war eine Erkältung im Schnelldurchlauf.

*gautsch*
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