05 Dezember 2006

Stiefelbetrüger und Kartenfüller

Deutschland scheint von Euro, Konjunkturschwäche und der demoralisierenden Weiblichkeit unseres Kanzlers gezeichneter und vor allem ausgedürrter zu sein als befürchtet. Pleite ist Deutschland, so pleite, dass es nichteinmal mehr für eine kleine Prise Schnee reicht. Dabei ist doch bald Weihnachten.

Und so schwitzen wir in unseren dicken Bekleidungskombinationen vor uns hin weil wir doch innerlich fest davon überzeugt sind, dass sie zu dieser Jahreszeit überlebensnotwendig sind. Nur wenige geben sich die Blöße der schieren Todeslust und ziehen sich vergleichsweise luftig an. Bei den eingepackteren Zeitgenossen überhitzt scheinbar gerne auch mal das Oberstübchen was ich heute am eigenen Leib zu spüren bekam. Dabei hätte ich doch nun wirklich damit rechnen müssen beim routinemäßigen Lebensmittelkauf als potentieller EC-Karten-Betrüger behandelt zu werden. Nun, das ist dann wohl auch meine eigene Schuld, habe ich mich doch auf meiner Karte mit der Unterschrift so weit verkünstelt, dass eine entsprechende Nachahmung meinerseits schwer fällt, besonders wenn man es eilig hat. Nach Vorlage meines Personalausweises war die Sache dann jedoch vorerst vom Tisch. Doch weit gefehlt wer glaubt, dass eine solche akkreditierung als ehrlicher Mensch lange währt. Eine Stunde später trieb es mich erneut in den vorher besuchten Laden, eine Kleinigkeit vergisst man nunmal ständig. Nachdem ich von der durchaus modisch (als Synonym für die Geschmacksirritation weiblicher Mitbürgerinnen im Video-Chica-Wahn) gekleideten jungen Dame durchaus richtig als Freak erkannt wurde zückte ich ob der meine Barreserven übersteigenden Summe von 2,99 für Sparmarken-Spülmaschinentabs erneut meine EC-Karte, gab mir diesmal Mühe bei der Unterschrift und deutete dies auch humanverbal mit einem leicht humoristischen Einschlag an. Entweder hat die Hitze den Humor oder das Gedächtnis der Dame an der Kasse irgendwie beeinträchtigt, jedenfalls lies sich der Gesichtsausdruck der mir zugeworfen wurde, welcher verständlich gewesen wäre wenn man ihr eröffnet hätte ihre Tochter im Drogenrausch geschwängert zu haben, keinen anderen Schluß zu, als dass in ihr etwas getoastet, klein und verschrumpelt vor sich hin dümpelte. Sie erkannte mich nicht wieder und ich musste erneut meinen Ausweis zücken. Zu meiner eigenen Sicherheit selbstverständlich. Die Logik ist bestechend, denn wenn ich mich einer fremden EC-Karte bemächtige und schon das Risiko eingehe damit zu bezahlen, dann nur die teuersten und besten Waren. Vielleicht spendiert der Nikolaus ja ein Gehirn, denn selbst eines das in einen Stiefel passt wäre an dieser Stelle wohl ein Upgrade.

Ein unerwartetes und minimal verfrühtes Nikolausgeschenk habe ich von meinem Mobilfunktanbieter erhalten. Ich wurde telefonisch über ein DSL-Angebot aufgeklärt, welches ich dankend und mit der schier nicht zu verübelnden Erklärung abgelehnt habe, dass das Haus einen Vertrag mit einem Anbieter hat und es daher wenig Sinn hat oder gar unmöglich ist. Auf meine Frage hin ob man mich als langjährigen und guten Kunden für diese Kooperationsbereitschaft nicht honorieren möchte wurde ich entsprechend an eine kostenlose Serviceline weitervermittelt wo mir eine freundliche, jedoch mit der Zeit vom Verkehrslärm leicht genervte junge Dame nach dem 5. Versuch einer Erklärung, die fast jedesmal zu 90% im Verkehrslärm unterging den seltsamerweise meine Gesprächspartnerin stärker wahrnahm als ich wurde mir eine Gutschrift über 5€ auf meiner nächsten Rechnung zugesagt. Gerade noch rechtzeitig bevor mein Spaziergang von einem Uni-Gebäude zum nächsten zuende gegangen war. Dafür war es noch nicht einmal nötig meine Stiefel auszuziehen.

Im übrigen wehre ich mich gegen diverse Unterstellungen die Stiefel würden dafür sorgen, dass der Nikolaus noch vor Beenden seines Werks an ihnen K.O. zu Boden gehen wird. Meine Stiefel werden heute nacht vor meiner Zimmertür verbringen. Glaube ist alles. Vor der Haustür wäre wohl zuviel des Vertrauens in die Ehrlichkeit oder schlichtweg eine Unterschätzung der perversen Vorlieben gewisser Mitmenschen. Vor der Zimmertür sind sie sicher. Dort würde ich vlt sogar den Nikolaus hören. Dass es ihn nicht gibt und die einzige Konsequenz aus meinem Vorhaben die sein wird, dass ich am nächsten Morgen auf dem Weg zur Toilette darüber stürzen werde lassen wir schlichtweg außer Acht.


*gautsch*
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