30 Januar 2007

Dinge von Bedeutung

Nach langer Zeit eine Rückmeldung. Nicht aus Reue oder Pflichtgefühl, nicht einmal aus Freude im eigentlichen Sinne, vielmehr aufgrund einer lang erwarteten, geradezu beherrschenden Inspiration. Trotz allem kein göttlicher Auftrag, erwartet also nichts Weltbewegendes, denn zur Sonne hab Ich es noch nicht gebracht.

Für all Jene, denen nicht klar war, dass selbst der Autor dieser Zeilen nicht ohne Makel und Tadel ist, will ich anmerken, dass ich selbst keinesfalls über jeden Zweifel erhaben bin, weder die Weisheit mit Löffeln gegessen habe (denn Messer und Gabel eignen sich für ihre zähe Natur weit besser) noch in irgendeiner Weise über die Reinheit der Jungfrau Maria verfüge (Ich kann ohnehin keine Kinder zur Welt bringen und bin insofern von der Pflicht zur Bereitschaft zum Austragen eines Messias entbunden). Die Details und Verfehlungen mit der einhergehenden Selbsterkenntnis und Reifung sind erwiesener Maßen keine gute Unterhaltung.

Es gibt keine Selbsterkenntnis- oder Weisheitstalkshows. Keine Sendungen mit Arabelle und dem Titel „Ich bin dumm und geltungssüchtig genug um meine Seele in einer Talkshow zur Schau zu stellen!“. Niemand interessiert sich dafür wie Jemand aus seinen Fehlern lernt oder gar weise genug ist sie zu vermeiden. Vielmehr ergötzen sich alle daran, dass es scheinbar noch Menschen gibt, die dümmer, unfähiger, unreifer, verblendeter oder schlichtweg peinlicher sind als sie selbst. Doch dies soll keineswegs zu einer Anklage an die Fernsehlandschaft oder den allgemeinen Werte- und Kulturverfall werden. Ich begrüße diese Trends, machen sie es doch umso einfacher eine Vorauswahl an Menschen zu treffen mit denen man Dinge von Bedeutung bespricht.

Bedeutung ist ein wundervolles Stichwort. Menschen streben nach Bedeutung. Selbst wenn diese Bedeutung nicht das geringste bedeutet, vielmehr falsche Geltung bedeutet, bedeutet sie doch den scheinbar Bedeutsamen so viel. Wahrhaft Bedeutsames bedeutet heute ohnehin nicht mehr als das höchste Budget des aktuellen Kinostreifens, der jeweiligen Dokumentation für den Verfall all dessen was im Leben eine Bedeutung haben kann. Das Wort selbst offenbart schon warum viele es so verkennen. Die Bedeutung ist nichts anderes als die Deutung einer Bezeichnung und derren Konsequenzen. Was bedeutet etwas? Alles was wir hineinlegen. Ein Krieg hat keine Bedeutung und doch bedeutet er Leid und Tod, Sieg und Niederlage, Heldentum und Propaganda, Gier und Rücksichtslosigkeit, wirtschaftliche Interessen, Lebensumstände, aber auch menschliche Tragödien, Heldentum und Barmherzigkeit. So betrachtet hat Krieg also eine gewaltige Bedeutung und doch würde Niemand er klaren Verstandes ist behaupten Krieg sei bedeutsam für die menschliche Entwicklung. Jedes Symbol für den Frieden ist bedeutsamer, selbst wenn ein Symbol nicht immer viel bedeutet, so bedeutet es doch eine ganze Menge. Und nun genug der spitzfindigen Zerlegung relativer Begriffe.

Warum ich mich heute eigentlich an euch, meine getreuen Leser, wende ist gemeßen daran wohl weit weniger bedeutsam, aber eventuell ein wenig unterhaltsamer, hat er doch mit menschlichen Schwächen zu tun ohne den moralischen Zeigefinger unverhüllt in das Auge des Betrachters zu bohren – was das Lesen mitunter recht schwierig gestaltet, wie ich mir habe sagen lassen.

Es geht um Fanatismus. Auslöser meiner Überlegungen, selbstverständlich nicht die ersten ihrer Art, dennoch mit mehr Erkenntnis versehen als zuvor, war ein Streigespräch mit einem Mitmenschen, den ich nach wie vor niemals von Angesicht zu Angesicht getroffen habe, dennoch für weiser gehalten habe als er ist. Streigespräch deshalb, weil für eine Diskussion zuwenig Argumente, dafür aber umsomehr Beleidigungen, Provokationen und sonstiger rhetorischer Morast durch die virtuelle Luft flog. Das Thema scheint eher banal, wenn auch nach wie vor beliebter Stoff für derartige Streits:

Kondome. Nur ging es nicht, wie man meinen sollte, um Vor- und Nachteile, soziale und medizinische Bedeutung, sondern vielmehr um die Diffamierung all Jener, welche sich nicht rückhaltlos zu diesem Latexprodukt bekennen. Da dies keine Talkshow ist und nichtmal gerechter Zorn es rechtfertigt zur Unterhaltung anderer persönlich über Jemanden herzuziehen. Der Kernpunkt, der mich nachdenklich und nicht unbedingt wohlgesonnen gestimmt hat, war nicht die Bedeutung von Empfängnis- und Ansteckungsverhütung, sondern das Objekt und die persönliche Einstellung zu eben jenem. Und eben hier kommt der Fanatismus ins Spiel. Nichteinmal ich bin dreist genug im Ernst zu behaupten Kondome hätten keine Berechtigung oder Notwendigkeit. Aber ich bin frei genug zu sagen, dass sie mir eher unangenehm als willkommen sind. Welche Konsequenzen ich daraus ziehe, sei es die leichtfertige Ignoranz oder ein reifer und verantwortungsbewußter Umgang welcher im selben Interesse, aber mit anderen Mitteln arbeitet, war dabei vollkommen unerheblich. Mein Gegenüber jedoch war ein Fanatiker, welcher das Thema aus den Augen verloren und seinen einzigen Fokus noch auf dieses kleine Plastiktütchen gerichtet hat.

Die daraus resultierende Hetztirade gegen meine Person war der Grund der Klage welche meine heutige Inspiration darstellt. Und so erhält auch das kleine Plastiktütchen doch noch mehr Bedeutung als es ohnehin schon inne hat. Derartigen Fanatismus trifft man natürlich auch in einer Vielzahl anderer Erscheinungsformen, die sich gemeinhin darin ähnlich oder sogar gleichwertig sind, als dass nicht wohldurchdachte Prinzipien und Tugenden, Werte oder Überzeungen Kern der Sache sind, sondern einzelne Symbole, Gegenstände, Satzfragmente oder Ideen, die zwar Teil, aber nicht Ganzes sind. Wir treffen ihn mit rasierten Köpfen auf Anti-AntiFa-Demos. Wir begegnen ihm im Sozialkundeunterricht nach einer kritischen Bemerkung gegenüber der Demokratie. Wir treffen ihn überall wo es um Musik, Klamotten und Geschmack geht. Die Geschichte prägte ihn im Zeichen von Religionen und Staatsformen, Herrschergeschlechtern, Rassenreinheit und Eroberungen. Der Fanatismus ist allgegenwärtig und beständig. Er folgt im Schatten der Dummheit und sonnt sich in der Sonne der Intellektuellen. Er ist jedoch keine Form der Dummheit – sie macht es lediglich schwer Fanatismus reflexiv zu erkennen- sondern eine Verblendung. Die Wenigsten haben den Schaden im Sinn den sie letztendlich anrichten, vielmehr sind die Meisten Überzeugt von der Bedeutung und der Richtigkeit ihrer Sache, konzentrieren sich dabei aber auf einen keineswegs entscheidenden Teilaspekt und erheben ihn zum Prinzip. Neben den Blutrünstigen sind sicher auch Menschen den Kreuzzügen gegen die Ungläubigen gefolgt weil sie glaubten damit etwas Gutes zu tun. Wenn dies schwer zu glauben sein sollte reicht nur ein Blick in die Welt um zu sehen, dass heute noch vielerorts und nichtmal nur im Weltieblingskrisengebiet, dem Nahen Osten, kein Unterschied zwischen einem Andersgläubigen und einem schlechten Menschen sowie einem Gläubigen und einem guten Menschen gemacht wird. Oder eben einem Menschen mit Intimregenmantel oder nicht.




*gautsch*
 

1 Comments:

Anonymous Anonym schrieb...

*mitgautsch*

21:56  

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